Auslandsschuljahr

Ein Schuljahr in Europa

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"Tim Preisenhammer"/www.jugendfotos.de

Mal für ein Jahr eintauchen in den Alltag an einer anderen Schule in einem ganz neuen und unbekannten Land, neue Leute kennen lernen und ganz nebenbei eine Fremdsprache so gut zu lernen, dass sie beinahe zu einer zweiten Muttersprache wird – diesen Wunsch kannst du dir nirgends so einfach erfüllen wie innerhalb der EU. Trotzdem gibt es ein paar Dinge zu beachten:

Allgemeines
Dein Schuljahr im Ausland sollte ausschließlich folgende Aspekte beinhalten: Schulbesuch, Leben in der Familie, vom Programmträger organisierte Ausflüge und Veranstaltungen. Teste, ob dein Veranstalter die unten genannten Kriterien erfüllt, bevor du dich verbindlich anmeldest! Lass dir unbedingt einen persönlichen Beratungstermin geben, am besten nimmst du deine Eltern mit. Tritt deine Reise erst an, wenn du die Adresse deiner Gastfamilie vom Veranstalter bekommen hast! (Siehe „Die Kosten“)

1. Der Schüleraustausch

Die günstigste Möglichkeit: Du gehst ein Jahr ins Ausland, dein Tauschpartner kommt ein Jahr nach Deutschland und lebt bei dir zu Hause. Außer Flug und Taschengeld musst du nichts bezahlen. Diese Möglichkeit wird von den Schulen selbst organisiert. Deshalb solltest du dich an deiner Schule darüber informieren, welche Partnerschulen es gibt.
Das Stuttgarter Regierungspräsidium (Abteilung Schule und Bildung) organisiert auch Schüleraustausche (für Englisch und Französisch).

2. Veranstalter/Organisationen

Wenn es an deiner Schule kein Austauschprogramm gibt oder du in ein anderes Land möchtest, als an deiner Schule angeboten, kannst du dich auch an externe Veranstalter wenden.
Achtung
: Du kannst im Regelfall nicht bestimmen, in welchen Ort in deinem Wunschland du kommen wirst. Wenn du aus medizinischen Gründen in irgendwelchen Regionen nicht sein kannst (z.B. weil du eine Sonnenallergie oder Asthma hast), kannst du das dem Veranstalter bei deiner Bewerbung mitteilen, dann wird er bei der Zuteilung darauf achten. 

Die folgenden Punkte müssen komplett vom Veranstalter geleistet werden:

- vollständige Information (Internet, Katalog, Gespräch)

- Auswahl, Vorbereitung und Betreuung der Teilnehmer

- Reiseorganisation

- Die Organisation sollte ihren Sitz in Deutschland haben, damit du dich im Falle eines Falles auf die deutsche Gesetzgebung berufen kannst

Deine Gastfamilie bewirbt sich auch beim Veranstalter und wird nach folgenden Kriterien bewertet:

- die Wohnung muss ordentlich und hygienisch sein

- die Familie muss genügend Geld haben, um dich zu versorgen (sie bekommt vom Veranstalter kein Geld für dich!)

- die Entfernung zur Schule sollte nicht allzu groß sein

- deine Interessen und die der Familie sollten sich größtenteils decken

Du solltest allerspätestens zwei Wochen vor deiner Abreise wissen, wer deine Gastfamilie ist. Frag am besten beim Veranstalter nach, ob der dir das garantieren kann. Nicht, dass du die Katze im Sack kaufst!

Wenn du vor Ort Probleme mit deiner Gastfamilie hast, wenn sie dich etwa als Hausmädchen oder Putzfrau benutzen, dann hast du in jedem Fall einen Anspruch auf Familienwechsel! Es sollte mit deinem Ansprechpartner der Partnerorganisation regelmäßige Treffen geben, bei denen du solche Sachen ansprechen kannst und auch sollst. Du solltest den Veranstalter 24 Stunden am Tag anrufen können.

Die Kosten

Die Kosten für ein Auslandsschuljahr sind sehr schwierig zu vergleichen, weil es immense Unterschiede zwischen den jeweiligen Ländern und den verschiedenen Veranstaltern gibt. Sie rangieren  bei einem einjährigen Aufenthalt mit Flug zwischen etwa 3500 und 10.000 Euro.
Achtung
: Du solltest bei der Auswahl des Veranstalters ist darauf achten, dass du nicht sofort nach der Zusage den kompletten Betrag überweisen musst, sondern dass du eine Restsumme erst dann bezahlen musst, wenn dir eine Gastfamilie vermittelt wurde. Leider gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen der Schüler nach der Ankunft im Gastland ohne Gastfamilie da stand, und erstmal beim Betreuer untergebracht wurde.

Die Anerkennung

Natürlich musst du dein Vorhaben zuerst mit deiner Schule besprechen, denn die muss dich für die Zeit deines Auslandsschuljahres ja freistellen. Leider gibt es – anders als bei europainternen Studienleistungen – noch kein System, dass eine Anerkennung von Schulleistungen innerhalb der EU möglich macht. Ein Auslandsschuljahr kannst du übrigens nicht nur als Gymnasiast, sondern auch nach Abschluss der Haupt- oder Realschule machen.

Wenn du das 13-jährige Abitur machst, also wenn deine Schule noch nicht auf das so genannte G9 umgestellt hat, dann kannst du entweder die elfte Klasse im Ausland machen und dir das Jahr anerkennen lassen, oder du gehst (ohne Anerkennung) zwischen der elften und zwölften Klasse ins Ausland. Du wirst dann ein Jahr später mit der Schule fertig sein als deine bisherigen Klassenkameraden. Dafür hast du ganz viele neue Klassenkameraden im Ausland, die du besuchen oder zu dir nach Deutschland einladen kannst!

Ein aktuelles Thema ist momentan die Schulzeitverkürzung zum Abitur auf 12 Jahre, das dich vielleicht vor einem ganzen Jahr im Ausland zurückschrecken lässt. Schließlich hast du ja auch so schon genug Stress mit der Schule am Hals. Aber auch nach der Umstellung auf das so genannte G9 ist ein Auslandsschuljahr überhaupt kein Problem. Denn: Wenn du nun bereits nach dem neunten Schuljahr ins Ausland gehst, kannst du dir das zehnte Schuljahr komplett anerkennen lassen. Wenn du dein Auslandsjahr ohne Anerkennung zwischen der zehnten und elften Klasse machen willst, musst du eben ein Schuljahr in Deutschland wiederholen. Bitte sprich diese Möglichkeiten unbedingt mit deiner Schule und deinen Eltern ab, bevor du an die Bewerbung gehst!

Die Unterstützung

Neben dem Auslands-Bafög, das du für dein Schuljahr im Ausland beantragen kannst, vergeben oft die Veranstalter selbst Stipendien.