Adrian, 19 Jahre, 3. Lehrjahr als Zimmerer

Traumberuf oder Notlösung?

Traumberuf! Mein Vater war Zimmermann, dadurch habe ich die Arbeit mit Holz kennen gelernt. Holz ist ein natürlicher Baustoff und leicht zu verarbeiten, das hat mich schon immer interessiert. Auch dass man viel an der frischen Luft ist gefällt mir gut und ich finde, die Arbeit ist körperlich nicht so schwer.

Wie sieht dein Tag als Zimmerer aus?

Das ist schwer zu sagen, da wir sehr unterschiedliche Arbeiten machen. Aber meistens fangen wir kurz vor sieben Uhr an, ich bin dann entweder hier in der Vorproduktion, also in der Halle, oder auf einer Baustelle. In der Vorproduktion werden die Häuserwände angefertigt, man muss sie beplanken, mit Dämmwolle auffüllen, und zwischengefüllt mit Isolierung oder Pressspanplatten auf das Gerüst hämmern. Das geht immer stufenweise voran. Von halb zehn bis zehn Uhr ist Frühstückspause und danach geht es wieder weiter. Bis alle Wände fertig sind, dauert es ungefähr drei Wochen. Dann wird alles abgeholt – und innerhalb von zwei bis drei Tagen steht das Haus.

Die größte Überraschung?

Dass ich mittlerweile in einem sehr netten und familiären Betrieb bin. Ich habe nach dem zweiten Lehrjahr gewechselt. Hier macht mir das Arbeiten viel mehr Spaß, ich habe gewisse Freiheiten und kann auch privat mal an einem Samstag was in der Halle machen. In meinem jetzigen Betrieb geht man einfach ganz anders miteinander um, es ist viel ehrlicher hier.

Deine Lieblingsaufgabe?

Auf Altbaustellen zu arbeiten. Wenn man da saniert und zum Beispiel das Dach auf macht und sieht, wie die Zimmerer früher gearbeitet haben, das ist ziemlich interessant. Danach sieht man dann den Unterschied zwischen Alt und Neu, was man verändert hat. Das ist ein schönes Gefühl.

Welche Kröten musst du schlucken?

Die Sache mit meinem ersten Betrieb war eben nicht so toll, auch wenn es am Anfang eine gute Lösung war. Ich hatte dort früher schon gejobbt und bin so zu meinem Ausbildungsplatz gekommen. Und der war auch noch gleich bei mir Zuhause um die Ecke.

Ohne was geht es nicht?

Man sollte ein wenig räumliche Vorstellungskraft haben und auch spontan handeln können. Körperlich fit sein sollte man auf jeden Fall und auch eher die Ruhe bewahren und nachdenken, statt hektisch zu werden.

Wie viele Bewerbungen hast du geschrieben?

Eine. Eben in meinem ersten Betrieb – und dann habe ich mich noch hier vorgestellt und wurde übernommen.

Dein Bewerbungstipp?

Auf jeden Fall macht es einen guten Eindruck, wenn man sich bei der Firma zeigt und vielleicht mal zur Probe arbeitet oder jobbt. So zeigt man, was man kann. Ich denke das ist am effektivsten und die Leute im Betrieb sehen, dass man wirklich Interesse hat.

Bald steinreich? Wie hoch ist der Monatsverdienst?

Meine Freundin verdient als Zahnarzthelferin weniger als die Hälfte, ich bin bei fast 900 Euro. Vielleicht liegt das hohe Gehalt auch an den Gefahrenzuschlägen.

Und nach der Ausbildung?

Ich habe erst mal vor Zivildienst zu machen und danach schau ich mal, vielleicht kann ich ja hier weiter arbeiten. Ansonsten habe ich mir überlegt auf Wanderschaft zu gehen, dann wäre ich drei Jahre unterwegs und würde mal hier und mal da arbeiten. Das ist auf jeden Fall besser als arbeitslos zu sein.

Steckbrief Zimmerin/Zimmerer

Ausbildungsort:
Betrieb und Berufsschule

Dauer:
3 Jahre

Abschluss:
Zimmerin/Zimmerer

Perspektiven:
Zimmerermeister/-in, Industriemeister/-in Holz, Technische/-r Fachwirt/-in

Besonderes:
vielfältig, aber auch körperlich anstrengend

Mehr im Netz: www.berufenet.arbeitsagentur.de